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Die Red Mountains trennen die Wiese vom Vulkangebiet. Hier gibt es nur kahle rote Felsen und viele Höhlen, von denen sicher nicht alle unbewohnt sind... Der Stone River entspringt hier und fließt über die Wiese ins Meer.
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Re: Zwischen roten Felsen

Sa 7. Jan 2023, 22:05

Mein Knurren schwoll an, als auch der Dämon es mit einem weiteren eigenen erwiderte, und endete in einem zähnebleckenden Fauchen. Ich konnte nicht viel dagegen tun, es passierte nicht bewusst. Ich steuerte auch nicht aktiv, dass ich die Knie etwas beugte und auseinanderschob, die Schultern spannte oder die Finger zu Klauen krümmte. Und schon gar nicht, dass meine Pupillen klein wurden. Der Dämon näherte sich, er war eine Bedrohung und er würde angreifen. Niemand brauchte mehr Signale, um in den Verteidigungsmodus zu wechseln. Es passierte nur nicht bei allen im gleichen Maß und auch nicht gleich schnell.
Nicht, dass irgendetwas davon das Vieh beeindruckte, es aufhielt - und es wirkte nicht mal so, als würde es überhaupt großartig Notiz davon nehmen. Es fiel auf die Hände, als es noch etwas näher gekommen war, und galoppierte die letzten Meter auf uns oder wohl eher mich zu, bevor es absprang, um mich umzureißen. Das alles geschah nur derart vorhersehbar, dass ich ihm einfach auswich, denn schnell genug war der Dämon so auf gar keinen Fall. Ich war angeschlagen, aber nicht lahmarschig.
Ich glitt zur Seite, weit genug, dass auch ein zu mir schießender Arm mich nicht erwischen konnte, und stürzte mich dann von hinten auf ihn, sodass er sich nicht nach seinem missglückten Angriff mit den Händen am Boden abfangen konnte, sondern ich ihn einfach stumpf darauf warf und ihn hinunterdrückte.
Ehrlicherweise hatte ich durchaus die Vermutung, dass es nicht gut war, das schwarze Zeug anzufassen. Ehrlicherweise hatte ich aber absolut keine Ahnung, was hieraus werden sollte. Ich konnte mich kaum mit ihm prügeln, bis ich nicht mehr konnte, denn er würde erst mich und dann Farûna fressen. Ich konnte ihn aber auch nicht erledigen, denn er hatte Hunger. Und der würde sich nicht einfach in Wohlgefallen und eine bunte Blumenwiese auflösen.

Sa 7. Jan 2023, 22:05

Re: Zwischen roten Felsen

Mi 1. Feb 2023, 07:40

Der dunklen Gestalt entging die Beute, etwas, das möglicherweise schon vorherzusehen gewesen war, außer vielleicht für den Dämon selbst. Auch der hervorschnellende menschliche Arm erwischte die Hülle der Aura nicht, sodass er mehr oder weniger ungebremst auf dem Boden aufkam und von dem Gewicht, das plötzlich auf ihm lastete, davon abgehalten wurde, sich wieder aufzurichten. Mit einem lauten Knurren protestierte er gegen den Druck und versuchte, sich hochzudrücken, wodurch das Lebewesen auf ihm eventuell bemerken könnte, dass er auf Reserve fuhr, denn er schaffte nicht einmal das.
Dafür lag es jedoch ganz richtig, dass es die Schwärze besser nicht berühren sollte, denn in die kam nun Bewegung, sobald sich die Gelegenheit dazu bot, in Richtung des Wesens zu kriechen. Dünne, klebrige Fäden lösten sich von der schwarzen Masse und krochen auf das Wesen über wie Wurzeln, die sich gierig nach Wasser ausstreckten, während der Dämon nach wie vor versuchte, sich hochzudrücken. Sein Knurren hatte sich in ein lautes, angestrengtes Röcheln verwandelt, das verriet, wie anstrengend das alles für ihn sein musste. Oder zumindest für den menschlichen Körper, in dem er steckte.

Re: Zwischen roten Felsen

Mi 8. Feb 2023, 18:46

Nein, dass der Dämon auf Sparflamme lief, hatte ich schon eher bemerkt und tat es nicht dadurch, dass er es nicht schaffte, mein Gewicht und sich selbst wieder hochzudrücken, nachdem er zu Boden gegangen und ich mich auf ihn geworfen hatte. Seine Bewegungen waren zu fahrig, zu langsam und zu unkoordiniert, sodass es schon ziemlich offensichtlich gewesen war.
Aber ich wurde auch wegen dem schwarzen Zeug nicht enttäuscht, denn sobald der Körperkontakt hergestellt war, sprang es auf mich über und wand sich wie klebrige Teeradern über meine Kleidung. Sein geröcheltes Knurren erwiderte ich mit einem Zischen und einem leisen Fauchen. Mir gefiel das nicht, aber ehrlich, was sollte ich schon tun? Irgendetwas mussten wir miteinander anfangen, sonst hätte ich Farûna nicht hier in die Schlucht runterbringen müssen. Und da ich die Gefahr für mich, die von dem Schwarzen kam, auch deutlich spürte und sie meine Sinne auf eine andere Art und Weise anschlagen ließ als der Rest der Umgebung, legte etwas in meinem Kopf sich um und es ging in den Raubtiermodus.
Das hier … war eine gute Gelegenheit für mich, meine ganze Wut und die Frustration über diese ganze beschissene, sich ständig wiederholende Situation herauszulassen. Egal, ob die Schwärze mich nun verletzte, er mich anfangen würde, auszusagen, wie ich es sonst täte, oder was auch immer am Ende dieser ganzen Scheiße auf mich wartete.
Ja, es war mir egal. Ich hatte etwas, woran ich meine Wut auslassen konnte.
Und damit fing ich an, indem ich dem Dämon mit einem neuerlichen lauten Knurren seitlich von hinten in den Hals hineinbiss. Und das so richtig, ohne Rücksicht auf Verluste und mit der ganzen Kraft, die ich hatte. Ich presste ihn dabei weiter mit Händen und Beinen zu Boden, aber ich umschlang ihn nicht mit den Gliedern. Fast als wollte ich, dass er sich noch bewegen konnte – falls er seine Kraftreserven denn aktivierte. Und mir die Schwärze nicht vorher einfach so den Garaus machte.

Re: Zwischen roten Felsen

So 26. Feb 2023, 19:57

Von dem Dämon kam ein gedehntes Röcheln, das auch mit wenig Fantasie als Schmerzlaut zu erkennen war als ihm in den Nacken gebissen wurde. Seine Versuche, sich zu befreien, verstärkten sich noch einmal, während sich die Schwärze weiter begann, auf dem Angreifer auszubreiten und sich nach der Aura zu strecken und die Energie anzuzapfen, die diese verstrahlte. Dem Dämon schien jedoch die Kraft zu fehlen, sich wirklich gegen das Gewicht zu wehren, das ihn zu Boden drückte. Das oder es waren nur halbherzige Versuche, die den Angreifer gar nicht wirklich von sich weg bewegen wollten…immerhin bestand ja nun Zugang zu der Lebensenergie.
Da die anwesenden Personen entweder ohnmächtig oder mit anderen Dingen beschäftigt waren wie beispielsweise sich gegenseitig den Garaus zu machen, sah niemand den Mann kommen und auch die Wahrscheinlichkeit, dass er von den beiden sich kämpfenden Gestalten bemerkt werden würde, war sicher gering wenn man davon ausging, das sich verteidigen und kämpfen gerade wichtiger war und deren Aufmerksamkeit forderte.
Ein leises Klicken war zu hören als der Mann die Waffe entsicherte und zielte. Es folgte ein kurzes Zögern…dann jedoch betätigte er den Abzug und ließ zwei gut platzierte Schüsse auf die beiden kämpfenden Gestalten los. Den einen würde das Betäubungsmittel am Rücken treffen, den Dämon am Oberarm. Sofern sie sich in der letzten Sekunde nicht doch hektisch bewegten. Der Mann hatte jedoch keine Probleme, einige weitere Schüsse auf die beiden Kontrahenten loszulassen, sollte dies nötig sein.

Re: Zwischen roten Felsen

So 26. Feb 2023, 20:58

Die Schwärze verklebte mir den Mund und immer, wenn irgendwo eine kleine Lücke zwischen uns entstand, zog sie zähe Fäden dort. Aber es war egal. Meine Kraft floss schneller zu dem Dämon als sein Blut und seine Schwärze zu mir, aber auch das war egal. Ich würde einfach so lange mit ihm kämpfen, bis einer von uns beiden genug hatte, und wenn ich das war, dann war es so.
Die Schwärze und das schwarze Blut, das sich damit mischte, waren so nah und allgegenwärtig, dass ich den fremden menschlichen Geruch irgendwo über uns nicht mehr registrierte. Abgelenkt war ich sowieso, sodass mich die Betäubung völlig ohne Vorwarnung in den Rücken traf. Ein Zucken ging durch meinen Körper und durch meine Pupillen, und als auch die zweite Betäubung ihr Ziel fand und sich in den Oberarm in meinem Wahrnehmungsbereich auf der einen Seite bohrte, fuhr ich von dem Körper unter mir zurück und sprang zur Seite.
Das Gefühl von Kraft, die aus mir heraussickerte, verschwand, aber dafür breitete sich ein anderes Gefühl von der Stelle im Rücken aus, an der ich getroffen worden war. Ich wusste, was es war, auch wenn ich keine Erinnerungen daran hatte. Meine Augen hatten den Urheber dessen bereits entdeckt, und jetzt war auch Wut in ihnen zu sehen. Jedenfalls wenn man nah genug dran wäre, um sie zu erkennen. Ich bleckte die mit Schwärze verschmierten Zähne und ließ ein Knurren hören, nötigenfalls auch noch während bereits wieder geschossen wurde. Diesem Projektil entging mit einer schnellen Bewegung und auch das nächste würde mich verfehlen. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis die Betäubung vom Rücken her meine Reflexe verlangsamen und mich erneut zum Ziel machen würde.

Re: Zwischen roten Felsen

So 26. Feb 2023, 21:42

Der Dämon, der ebenfalls von einem der Betäubungspfeile getroffen wurde, reagierte nicht wirklich auf den Schuss, der ihn traf, zumindest änderte sich nichts an dem Röcheln. Bereits nach einigen Sekunden erstarben jedoch die Versuche, seinen Angreifer von seinem Rücken abzuschütteln oder sich sonst irgendwie aus dem Klammergriff zu lösen. Der geschwächte Körper hatte dem Betäubungsmittel kaum etwas entgegen zu setzen und insgesamt waren die Kraftreserven des dunklen Wesens erschöpft, sodass auch die schwarze Masse, die sich auf das Wesen mit der Aura gestürzt hatte, an Spannung verlor, wenn man so wollte und sein Eigenleben verlor; sie tropfte als dunkle Masse von Dart und klebte an ihm, ohne das aktiv an seiner Lebensenergie gesogen wurde.
Der Mann mit der Betäubungswaffe wich zurück als Dart von dem Dämon abließ, den Schüssen auswich und sich ihm schließlich zuwandte. Er geriet dabei kurz ins straucheln, Die kleinen Steine, die ihn zum Stolpern brachten, kullerten mit leisen Geräuschen über den Boden...doch er fiel nicht und der Blick wirkte zwar müde, blieb jedoch wachsam und war ununterbrochen auf den Rothaarigen gerichtet, der sich ihm nun zuwandte. Die freie Hand des Mannes hob sich und schob die nach vorne gerutschte Brille auf seiner Nase zurecht. Die Hand mit der Waffe blieb gestreckt und zielte auf Dart.
"Stehen bleiben!", befahl er, atmete tief durch und erlaubte sich einen sehr kurzen Blick auf den Dämon, der bäuchlings auf dem Boden lag und sich nur noch leicht regte, bevor seine Augen zurück in Richtung des Rothaarigen gingen, "ich bin keine Gefahr", fügte er schließlich noch etwas leiser und deutlich ruhiger hinzu. Und um zu zeigen, dass er das auch wirklich nicht war, zog der Professor den Zeigefinger vom Abzug der Waffe und richtete den Lauf zur Seite. "Ich möchte nur dass ihr euch beruhigt."

Re: Zwischen roten Felsen

Mo 27. Feb 2023, 08:56

Wahrscheinlich hätte mich eine Betäubung genauso wenig stören sollen, wie von dem Dämon ausgelutscht zu werden, aber die verschüttete Erinnerung in meinem Kopf reizte mich, und vielleicht schmurgelte die Tatsache, dass jemand auf mich schoss, auch eine Sicherung durch. Die Wut in meinen Zügen war jedenfalls mehr als nur deutlich und ich konnte spüren, wie es in mir brodelte und sie den Effekt der Betäubung zurückzudrängen versuchte.
Ich blinzelte mehrmals, die Konzentration ganz auf den Menschen gerichtet, um nicht die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren. Er hatte Glück, dass die Betäubung einen Teil ihrer Arbeit schon tat, denn die Bewegung, die er mit der Hand zum Gesicht machte, hätte mich ansonsten nicht fackeln und angreifen lassen, damit er nicht die Gelegenheit bekam, noch einmal zu schießen. Die Worte, die er anschließend sprach, sickerten nur langsam durch mein Gehör zum Kopf. Meine Lippen zogen sich noch ein Stück weiter über die Fänge zurück und ich knurrte, was ihm genauso gut signalisieren konnte, dass ich ihm kein Stück glaubte.
Beruhigen, indem du auf mich schießt?, zischte es, doch der Gedanke ging nicht mehr aus mir heraus und erreichte ihn daher auch nicht. Ich spürte, wie mir die Beine langsam nachgaben und mein Gesichtsfeld schrumpfte. Ich schüttelte immer noch leise knurrend den Kopf, um das wattige Gefühl abzuschütteln, und ging weiter auf ihn zu, was nicht unbedingt klug war, aber auch keinen Unterschied machte. Die Betäubung verlangsamte mich, sodass ich ihn weder angreifen, noch einem weiteren Schuss würde entgehen können. Außerdem stolperte ich schon nach zwei Metern, weil mir das Gefühl für meinen Körper abhandenkam, und fiel nach vorn. Abfangen konnte ich mich zwar noch, aber auch meine Arme gaben anschließend nach und ich blieb liegen.

Re: Zwischen roten Felsen

Mi 1. Mär 2023, 09:11

Während der nächsten Momente blieben die Augen des Mannes ruhig auf der Gestalt hängen, die es sich nun zur Aufgabe gemacht hatte, sich ihm zu nähern. Es war offensichtlich, dass das Betäubungsmittel bereits zu wirken begann und da er sich nur langsam vorwärts bewegte, veranlasste das den Professor nicht dazu, eine weitere Salve auf ihn abzuschießen. Immerhin war es nicht sein Ziel, ihm mit einer Überdosis zu schaden, auch wenn der Andere die Zähne bleckte und nicht den Eindruck machte, als sei er von seinen Worten, er wolle ihm nichts tun, beruhigt. Das konnte der Professor ihm allerdings auch nicht verüben. Er würde einer Person, die einen von Hinten anschoss auch nicht trauen... Leider gab es keine andere Wahl...
Es mochten noch gut ein oder zwei Minuten verstreichen, in denen der Rothaarige gegen die Betäubung ankämpfte, doch schließlich regte er sich nicht mehr. Erst da ließ der Professor die Waffe ganz sinken und entspannte sich mit einem tiefen Atemzug. Er erlaubte sich auch, für einen kurzen Moment die Augen zu schließen, bevor er sie wieder öffnete und einen Blick auf die drei Gestalten warf, die auf dem Boden lagen und sich nicht regten. Das Mittel, mit dem er geschossen hatte, sollte für etwa fünfzehn Minuten ausreichen, was allerdings der Fall bei normalen, nicht geschwächten Personen war...
Er näherte sich zuerst dem Dämon, der bereits von der ersten Dosis ausgeschaltet worden zu sein schien und ging neben ihm in die Knie, vorerst ohne ihn zu berühren. Als er sich vergewissert hatte, das er schwach, aber ruhig und gleichmäßig atmete, überprüfte er die Atmung des Rothaarigen und näherte sich schließlich auch der jungen Frau, deren Wunde am Kopf er notdürftig mit einigen Taschentüchern versorgte. Auch sie bewegte er jedoch nicht großartig; sie hatte Schürfwunden und Prellungen und es wirkte ein wenig so, als sei sie ein Stück weit gefallen, was bedeutete, dass sie auch etwas gebrochen haben könnte.
Als der Professor sich ein erstes Bild gemacht hatte und hoffte, dass alle drei von selbst wieder zu sich kommen würden, erhob er sich und nahm ein Stück weit entfernt auf einem größeren Gesteinsbrocken Platz, wo er wartete, die Waffe dabei auf sein rechtes Knie ablegend, sodass er sie nur heben musste, wenn es nötig war. Wenn sein Blick nicht auf dem Dämon ruhte, glitt er prüfend durch die Schlucht. Allerdings blieb es ruhig und zu seinem Leidwesen begann es, leicht zu Regnen. Er hatte nicht einmal Zeit gehabt, eine Jacke mitzunehmen, doch er würde nun auch nicht aufstehen und eine holen gehen...

Re: Zwischen roten Felsen

Do 2. Mär 2023, 20:43

Als ich auf dem Boden lag, dauerte es noch ein, zwei Minuten, bis ich wirklich ganz das Bewusstsein verlor. Der Schuss hatte etwas in mir ausgelöst und meinen Widerstand geweckt, sodass ich immer noch gegen das Wattegefühl in meinem Kopf und die unerträgliche Schwere in den Gliedern ankämpfte. Aber eine Chance hatte ich letztlich nicht, da mein Körper wenn auch man es nicht direkt sah durchaus geschwächt war.
Doch das blieb nicht lange so.
Ich war ausgeschaltet, während der Mensch sich den Dämon beguckte, auch kurz zu mir kam und den Fuchs im Menschenpelz notdürftig versorgte. Aber schon nach ein paar Minuten kratzte mein Bewusstsein wieder an der Oberfläche. Und das diesmal aus dem Grund, das mein Körper etwas verlangte, das er in den letzten Tagen vernachlässigt hatte. Warum auch immer.
Blut.
Ich hatte Durst. Vielleicht, weil der Dämon an meinen Kräften gelutscht hatte. Vielleicht, weil nach der langen Reise hierher ein Punkt erreicht war, an dem es nicht anders ging. Vielleicht, weil die Betäubung irgendeinen anderen Einfluss auf mich hatte als alles andere vorher. Vielleicht war es auch alles zusammen.
Es fing an, indem meine Atmung wieder stärker wurde, etwa eine halbe Minute lang, ehe meine Augen sich wieder öffneten. Nur ein paar Sekunden lang ging mein Blick glasig und verschwommen schräg durch den Boden vor meinem Gesicht hindurch, dann zuckte er, ich tat einen tieferen Atemzug durch die Nase. Und anschließend öffneten sich meine Lippen etwas, weil ich durch den Mund zu atmen begann, und das so schnell, stoßweise und flach, dass man es als eine Art Hecheln bezeichnen konnte.
Wer mich kannte, wüsste schon, was das bedeutete. Aber auch der Mensch konnte sicher schnell erkennen, dass mein Verhalten nichts Gutes bedeutete. Ich kam noch nicht auf die Beine oder regte mich groß, aber in meine Arme, die angewinkelt neben meinem Kopf am Boden lagen, kam Spannung. Die Pupillen in meinen Augen waren groß geworden und der lauernde Ausdruck eines Raubtiers auf der Jagd war in sie getreten, als ich den Kopf drehte und mein Blick sich auf den Menschen richtete.
Er war nicht das leichteste Ziel. Aber das beste.

Re: Zwischen roten Felsen

Mo 6. Mär 2023, 10:02

Es war nicht ersichtlich, ob der Professor erwartete, dass einer der drei so schnell wieder zu sich kommen und seine Verschnaufpause dementsprechend kurz ausfallen würde, doch er regte sich sofort, als die Atemzüge des Rothaarigen deutlich hörbar und schneller zu werden begannen. Seine Stirn legte sich in besorgte Falten und er stand auf, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Immerhin hatte er keine Ahnung, was die Neuankömmlinge während der letzten Tage durchgemacht hatten und ob der junge Mann die Betäubung eventuell nicht vertrug. Er hatte auch ein Gegenmittel in der Tasche, doch da die Dosierung ohnehin nicht hoch angelegt war, hatte er nicht vor gehabt, diese einzusetzen, außer es gab einen Grund. Eine Nebenwirkung war ein solcher...
Allerdings war er auch nicht so naiv dass er sich nun einfach so näherte und das war vermutlich ein Glück, denn gerade als er einen Schritt auf die am Boden liegende Gestalt zumachen wollte, kam leichte Regung in den Rothaarigen...und der Blick, den er von diesem zugeworfen bekam, ließ ihn sofort an ein Raubtier denken, das seine Beute ins Visier nahm. Er war in seinem Leben bereits so oft auf diese Art und Weise angesehen worden, dass es offensichtlich für ihn war...
Und dennoch blieb die Betäubungswaffe in seiner Hand gesenkt. Immer und immer wieder damit herum schießen, würde die Situation nicht besser machen. Der Professor wollte eigentlich die Lage deeskalieren...deswegen und obwohl er sich relativ sicher war, kein Gehör zu bekommen, hob er die Stimme, anstelle der Waffe. Er musste es versuchen.
"Bitte...ich bin keine Gefahr", sprach er langsam und mit gehobener Stimme und hob beide Hände, um seine Friedfertigkeit zu demonstrieren. Der Lauf der Waffe in seiner Rechten richtete sich dabei nicht auf den Rothaarigen. "Es tut mir leid, dass ich auf dich geschossen habe. Ich wusste mir nicht anders zu helfen. Bitte...beruhige dich."

Re: Zwischen roten Felsen

Di 7. Mär 2023, 20:22

Der Mensch dachte ganz richtig: Nicht nur war es mir völlig egal, dass er die Waffe in seiner Hand nicht wieder auf mich richtete, während er sich langsam näherte - ich erkannte sie nicht einmal als Waffe. Und ich verstand auch nichts von dem, was er mir zu sagen versuchte. Seine ruhige Stimme brachte gar nichts. Der Durst brannte in meiner Kehle und hatte jeden Funken Verstand ausradiert. Gerade war ich nicht mehr als ein instinktgesteuertes Raubtier, das seine Beute ins Auge gefasst hatte.
Wieder ging ein Zucken durch meinen Blick und mein Atem wurde noch flacher, weil ich nun versuchte, leiser zu hecheln. Ich wurde dabei ganz ruhig und verfolgte jede Regung des Menschen. Das Hecheln unterbrach sich kurz ganz, als ich einen tiefen Atemzug nahm, nur um ihn zu wittern, ehe es weiterging und die Luft nur stoßweise in meine Lunge befördert und wieder herausgedrückt wurde. Mein Blick wanderte hinauf zu den gehobenen Händen. Mein Körper war zum Zerreißen angespannt...
Dann war ich auf den Beinen und stürzte mich mit einem Sprung so schnell auf ihn, dass die Bewegung für sein Auge gar nicht wirklich wahrnehmbar war, ehe ich ihn schon zu Boden riss, seine Unterarme packte und ein kehliges lautes Knurren hören ließ. Eine Warnung, dass er gar nicht auf die Idee kommen sollte, sich zu wehren. Ich fackelte auch gar nicht lange, um ihm keine Chance zu geben, die Situation bewerten und dagegen handeln zu können, sondern biss zu. Nur durch ein Wunder bohrten meine Fänge sich nicht auf direktem Weg von vorn in seine Kehle, sondern drangen seitlich und am Übergang zwischen Hals und Schulter durch Haut und Gewebe - oder vielmehr an der Stelle, wo keine Kleidung im Weg war.

Re: Zwischen roten Felsen

Do 23. Mär 2023, 07:38

Er bekam keine Antwort, was...ihn auch nicht sonderlich überraschte. Der Rothaarige machte nicht den Eindruck als wäre er bei Verstand, aber es war einen Versuch wert gewesen. Immerhin konnte der alte Mann behaupten, dass er nichts unversucht gelassen hatte.
Einen Plan B gab es nicht, doch für den hätte der Professor auch keine Zeit mehr übrig gemacht. Seine Reflexe waren längst nicht so gut wie die des rothaarigen jungen Mannes und deswegen hatte er noch nicht einmal die Zeit, die Arme zu heben als er sich auf ihn stürzte und ihn unsanft zu Boden riss. Es war ein Wunder, dass der Professor sich nicht den Hinterkopf bei dem Aufprall mit dem steinigen Untergrund anschlug, doch dafür zuckte einen Moment später ein stechender, lähmender Schmerz durch die Seite seines Halses. Er war also ein Blutsauger...
Verhältnismäßig schwache Schmerzlaute kamen von ihm und trotz des Kräfteungleichgewichts zwischen ihnen beiden versuchte er, sich gegen den Griff und das Gewicht auf ihm zu wehren, was ihm nicht gelang.
Ob es der Rothaarige oder die Geräusche waren, die der alte Mann von sich gab...der Dämon begann sich nun jedenfalls wieder zu regen. Er war sogar verhältnismäßig schnell dabei, die Hände unter sich zu schieben und den Oberkörper ein Stück weit aufzurichten...der Kopf drehte sich und die schwarzen Augen in dem ebenfalls mit Schwärze verschmierten Gesicht wandten sich in die Richtung der Ursache der Geräusche.
Ein tiefes, unmenschliches Grollen drang aus dem menschlichen Mund und mit einem Satz schien er irgendwelche Kraftreserven anzuzapfen, mit denen er sich auf allen Viere befördern konnte. Er fiel den Rothaarigen von hinten an, schlang die Arme um ihn und versuchte, ihn von dem Menschen herunterzureißen.
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