Irgendwo in den Felsen




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Dieses riesige Gebirge zieht sich von Norden nach Süden über die ganze Insel und teilt sie in zwei Hälften. Grob gesagt leben östlich davon die Menschen, während der Westen hauptsächlich - aber nicht nur - von Yokai bevölkert ist. Viele verschlungene Wege und Schluchten führen durch das Gebirge, das jedoch schwer zu durchqueren ist.

Irgendwo in den Felsen

Beitragvon Asdis » Fr 23. Aug 2019, 17:45

„ Taaaaaalllllyyyy!“ rief die Bardin mit lauter Stimme in die undurchsichtige Nebelwand hinein, aber es kam weder eine Antwort, noch irgendeine Art von Widerhall oder Echo zurück. Ásdis fluchte leise und verstärkte den Griff, mit dem sie sich an dem ledernen Gepäckzeug festhielt. Der Nebel war dermaßen dicht, dass sie ihren Begleiter Abhcan, der nur einen Schritt neben ihr ging, nur ganz schemenhaft erahnen konnte.
So hatte sie ihre Reise durch die „Schleier“ ein Raum zwischen den Welten, der Welt der Menschen und der entrückten Anderswelt der Tuatha, nun wirklich nicht vorgestellt!

Sie, Abhcan und ein weiterer Freund, Tally, ein Angehöriger des alten Volkes, auch Tuatha genannt, hatten nach dem ersten Angriff der schwarzen Wesen auf einer Wiese beim Dorf Norod, entschlossen von der Insel zu verschwinden. Da Tally nur schwer durch die Kontrollen in Octron gekommen wäre, hatte dieser vorgeschlagen einen anderen Weg zu nehmen.
In Legenden und Sagen hatte sie schon öfter von den verschlungenen Pfaden zwischen den Welten gehört. Meistens weil jemand zufällig hineingeriet, darin herumirrte und zufällig, oder aber durch Hilfe wieder hinaus fand. Oftmals kam dieser dann an einem anderen Ort und gelegentlich auch zu einer anderen Zeit heraus.
In ihrem Fall sollte dies aber nicht zufällig sondern ganz geplant passieren. Tally meinte, dass er sie in diese Zwischenwelt hinein und am richtigen Ort auch wieder hinaus führen könne. Sie hatten ihre Sachen zusammengepackt, wobei Abhcan das Meiste des Gepäcks von Ásdis mit trug und waren vom Dorf weg in den Wald hinein marschiert. Wann genau sie die Grenze zur anderen Welt überschritten hatten, oder wie das passierte, konnte sie nicht sagen. Auf jeden Fall war plötzlich und sehr schnell, ein immer dichter werdender Nebel aufgezogen, der schließlich so dicht wurde, dass die Sicht quasi auf Null gesunken war. Gleichzeitig hatte der Untergrund unter ihren Füßen sich spürbar verändert, unter ihren Stiefeln war ebenso plötzlich nicht mehr der weiche und federnde Waldboden gewesen. Sie konnte nicht einmal sagen, aus was der Boden bestand, sie konnte wegen dem Nebel nichts davon sehen und irgendetwas definiertes war auch nicht zu spüren. Er war weder weich, noch hart, oder federnd, oder irgendetwas, er war ebenso so undefiniert und formlos, wie das weißgrau der Nebelwand überall um sie herum.
Und noch etwas hatte sich herausgestellt, der Nebel schluckte jegliche Geräusche. Hatte sie noch kurze Zeit Schritte oder andere Geräusche von Tally gehört, so waren diese schnell verstummt und bald darauf hatte er auch nicht mehr auf ihr Rufen reagiert oder geantwortet. Glücklicherweise hatte sie da schon ihre Hand auf ihren Sachen auf Abhcans Rücken gehabt, vielleicht hätte sie ihn sonst auch schon längst verloren und würde jetzt ganz alleine durch den Nebel stapfen.
„ Keine Angst Abhcan, wir sind in der richtigen Richtung unterwegs! Ich kann sie spüren, unsere Welt. Vor uns und sie kommt näher!“ redete sie in beruhigendem Ton während sie Schritt um Schritt vorwärts ging. Sie erwartete keine Antwort von ihrem Begleiter, schließlich neigten Maultiere in der Regel nicht sehr dazu auf solche Beruhigungsversuche viel zu antworten. In diesem Fall war Abhcan nicht viel Anders als Andere seiner Gattung, zudem wusste er bestimmt, dass es genauso dazu diente sich selbst zu beruhigen und zu viele Worte, oder in seinem Fall Laute, wären dem Zweck nicht unbedingt sehr dienlich gewesen.
Trotzdem waren ihre Worte nicht leer gewesen, sie war sich - ziemlich – sicher, dass sie in der richtigen Richtung unterwegs waren. Sie war Bardin und zudem keine Schlechte, nach ihrem Glauben und Verständnis bestand alles in gewisser Weise aus Musik. Was bedeutete, dass Alles und Jeder seine ganz eigene spezifische Melodie und Rhythmus besaß. Und als ein Kind ihrer Welt, war ihre eigene innere Musik natürlich auf die ihrer Welt abgestimmt, war gewissermaßen in perfektem Einklang damit. In den Jahren ihrer Ausbildung hatte sie gelernt darauf zu achten und auch ihre eigene Verbindungen, Harmonien und Resonanzen zu erkennen. Und das war jetzt das was sie spürte, die Verbindung zu der Musik ihrer Welt und sie hielt genau auf die Quelle zu.

„Sieh! Ich hab dir doch gesagt, dass wir richtig sind! Es ist jetzt ganz nah, direkt vor uns.“ ihre Stimme klang triumphierend aber auch erleichtert, als der Boden unter ihren Füßen zu verändern begann und der Nebel sich ganz langsam lichtete. Aber der Boden unter ihren Füßen wurde zu etwas Anderem als vorher. Es war nicht weich und federnd wie Waldboden, stattdessen wurde er hart und unnachgiebig, auch der Klang ihrer Stiefel war der von bloßem, gewachsenen Felsen. Jetzt konnte sie auch den Klang der beschlagenen Hufe von Abhcan auf dem Fels hören.
trägt: ein rotes Oberteil (siehe Bild), dunkelbrauner Outdoor-Mantel, Lederhosen, Wanderstiefel und einen neuen Hut (Fedora).
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Re: Irgendwo in den Felsen

Beitragvon Asdis » So 3. Nov 2019, 10:26

Es geschah beinahe das Gleiche, wie in dem Moment als sie diese Zwischenwelt betraten, nur dieses Mal anders herum. Ganz plötzlich und unnatürlich schnell senkte sich dieses Mal der Nebelschleier und löste sich schließlich ganz auf. Asdis blinzelte mit kleinen Augen in die hoch stehende Sonne und blickte sich ein wenig irritiert um. Sie waren definitiv an einem anderen Ort gelandet, denn der Wald mit seinen Bäumen war verschwunden. Stattdessen stand sie auf einem kleinen Plateau inmitten und umgeben von groben Steinblöcken und Geröll, unter ihren Füßen befand sich fester und massiver, gewachsener Stein. Als sie den Blick von der blenden Sonne abwandte, sah sie über und neben sich die grauen Silhouetten von Bergspitzen und ganzen, zusammenhängenden Bergmassiven.
„Uhhhh, Wow!“ hauchte die Bardin ein wenig tonlos und führte ohne Unterbrechung die Bestandsaufnahme fort. Als sie sich ein wenig herumdrehte und ihr Blick weg von den Bergriesen und hangabwärts wandte, ging der karge Fels dort erst in struppige Wiese, dann in einen Flickenteppich von Wald, Wiesen und anderen Landschaftsbereichen über.
„ Also, das Gute ist, wir sind definitiv an einem anderen Ort als zuvor, Abhcan. Die potentiell schlechte Nachricht ist, wir haben keine Ahnung wo wir sind. Es könnte immer noch Echsinea sein, aber genauso gut auch auf der anderen Seite der Welt.“ , schließlich fand die Bardin ihre Sprache doch wieder und lenkte dabei ihren Blick weiter den Bergrücken hinab auf dem sie sich befanden. „Oder wann!“
Sie kannte die ganzen Geschichten über die Zwischenwelt, den „Schleier“ wie er auch genannt wurde und den Personen, die sich dort hinein gewagt oder unabsichtlich hineingeraten waren. Der Schleier hatte seine eigene Gesetze betreffend Raum und Zeit, man konnte sich Monate oder Jahre dort aufhalten und weite Strecken zurücklegen, nur, um nach der Rückkehr festzustellen, dass man einen Kilometer von der Stelle gekommen war und in dieser Welt nur Minuten vergangen waren. Genauso gut konnte es einem aber auch passieren, dass man vermeintlich nur wenige Minuten in der Zwischenwelt verbracht und sie an der selben Stelle verlassen hatte, um hunderte Kilometer entfernt aufzutauchen und festzustellen, dass hier Jahre oder gar Jahrzehnte vergangen waren.

„Aaaaah, da! Schau Abhcan, das sieht danach aus, als hätten Menschen Hand angelegt! Viel zu regelmäßig und gerade. Komm lass uns herausfinden wo und wann wir uns jetzt befinden!“ Asdis hatte aufgeregt zu einer Stelle weiter unten gezeigt, wo man mit gutem Willen regelmäßige Strukturen erkennen konnte. Auch glaubte sie etwas weiter entfernt eine Art Dunst in der Luft wahrzunehmen, was auf ein Dorf oder kleine Stadt hinweisen könnte.
Vorsichtig zwischen den Felsen hindurch navigierend, machte sich das ungleiche Paar, ein Mensch und ein bepacktes Maultier, an den Abstieg. Da sowohl die Bardin als auch das Maultier etwas Erfahrung im unwegsamen Gelände und sehr trittsicher waren, erreichten sie bald den Bereich, wo die Bergwiesen begannen und der Abstieg deutlich schneller voranging.

>> Kaukonahua
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