*Liennas und Norahs Hütte




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Oder einfach Kaua genannt. Hier leben die verschiedensten Yokai, zusammen mit dem ein oder anderen Menschen im Westen der Insel in kleinen Hütten oder einfachen Häusern, die am Rand einer wunderschönen breiten Sandbucht liegen. Bei Flut allerdings erreicht das Wasser die ersten Hütten, welche deshalb auch auf Holzpfählen oder floßartigen Kontruktionen gebaut sind. Es gibt hier keinen Strom, außer man besitzt einen Generator. Kleine Reibereien zwischen den verschiedenen Rassen kommen vor, doch Unruhestifter werden nicht geduldet und im Großen und Ganzen ist es sehr friedlich.

*Liennas und Norahs Hütte

Beitragvon Lienna » Mo 19. Aug 2019, 19:28

Die Hütte steht mitten im Wald am nördlichen Rand von Kaukonahua, etwa fünfzig Meter von den letzten Häusern entfernt. Auch der Strand und der Trampelpfad in Richtung Kristallhöhle sind nicht weit entfernt, zwischen den Bäumen aber nicht sichtbar.
Die Hütte selbst ist klein, sie ist aus stabilem Holz gebaut und mit einem Strohdach bedeckt, wie so viele Hütten in Kaua und Umgebung. Gleich nach der Eingangstür gelangt man in den Wohnraum, in dem ein Ofen mit kleiner Kochecke, ein Tisch mit zwei Hockern, ein niedriges Bett für Norah und ein paar kleine Regale und Truhen für Habseligkeiten Platz haben. Licht kommt von einem Fenster über dem Tisch, oder von einer Öllampe, die darauf steht.
Die zweite Tür am hinteren Ende des Raumes führt in das noch kleinere Schlafzimmer, das von Lienna bewohnt wird und dazu vampirtauglich umgebaut wurde. Das kleine Fenster wurde mit Holzbrettern verrammelt, um kein Licht hindurch zu lassen, und auch jede Ritze in den Wänden und der Decke wurde mit zusätzlichen Holzbalken verstärkt und abgedunkelt. Das einzige das sich in diesem Raum befindet, der außerdem durch das abfallende Dach etwas niedriger ist als der Wohnraum, ist eine hölzerne, innen gepolsterte Kiste mit Deckel - wie ein Sarg. Die Ruhestätte eines Vampirs.
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Re: *Liennas und Norahs Hütte

Beitragvon Lienna » Di 20. Aug 2019, 19:21

War es wirklich eine gute Idee gewesen, hierher zu kommen?
Es verging kaum eine Nacht, in der ich mich das nicht fragte. Vor allem wenn Norah sich schlafen gelegt hatte, wenn es weit nach Mitternacht war und ich alleine durch den Wald oder zwischen den verstreuten Häusern des Dorfes entlang streifte. Ich versuchte das Dorf zu meiden. Es gab eine ganz klare Regel, und die lautete, den Frieden zu wahren. Ich durfte kein Leben aus dem Dorf nehmen, sonst würden wir verbannt werden. Ich lebte von Tierblut, das mich nicht zufriedenstellte, oder von den gelegentlichen Streifzügen auf die andere Seite der Insel.
Natürlich war es nicht das erste Mal, dass ich mich bedeckt halten musste. Ich tat es, für Norah.
Denn sie blühte auf, seit wir hier waren. Das ewige Weglaufen und Umherziehen war nichts für sie, und war schon oft Grund für Streitereien zwischen uns gewesen. Sie hatte Angst, das merkte ich. Aber sie sehnte sich auch nach Gesellschaft.
Wenn ich sah wie sie lächelnd davon erzählte, dass dieser oder jener Nachbar ihr dies und das Gutes getan hatte, dann wusste ich dass es gut gewesen war, hierher zu kommen. Für sie.

"Lass uns an den Strand gehen!", sagte Norah eines Abends nach Sonnenuntergang zu mir. "Komm schon, du warst noch nie wirklich da, oder? Heute Abend soll Ebbe sein und man kann ganz weit über den Sand laufen, bis man zum Wasser kommt. Und es ist fast Vollmond und der Himmel ist klar."
Ich überlegte, aber da ich keinen Grund fand, warum wir das nicht tun sollten, und Norah unbedingt wollte, stimmte ich zu. Wir machten uns auf den Weg an den Strand.
In manchen der Hütten, die man zwischen den Bäumen hindurch sehen konnte, flackerte noch Kerzenlicht. Das war etwas, das auch mir an diesem Ort gefiel, wenn ich darüber nachdachte. Hier fühlte ich mich weniger in einer Welt voller Technologien, grellen Lichtern und unablässigem Treiben. In den Städten heutzutage wurde es nie ruhig und es war immer hell. Hier nicht. Kaua war beinahe so wie die Dörfer, die ich von früher kannte, als es noch keine Autos, Straßenlaternen und Überwachungskameras gegeben hatte.
Norah ging voran, in ihren Mantel gehüllt, denn es wurde langsam kühl wenn die Sonne fort war. Mir wurde nicht kalt. Ich folgte der Kleinen, die schon lange gar nicht mehr so klein war und mich um einiges überragte. Aber für mich war sie immer noch ein Kind. Sie war es auch, die mich zu solchen Aktionen überredete. Von allein wäre ich nie auf den Gedanken gekommen... an den Strand zu gehen.
Ich fühlte mich seltsam ungeschützt, als wir die letzten Bäume hinter uns ließen und auf den Sand hinaus traten. Norah zog ihre Schuhe aus und ließ sie dort; ich war schon barfuß. Sie lächelte mir zu und wartete, bis ich an ihre Seite trat, dann gingen wir gemeinsam hinaus in Richtung Wasser. Der Wind war frisch und hatte die salzige Note, die hier am Meer so typisch war.
Wir gingen eine ganze Weile, denn der Strandabschnitt war breit und das Wasser durch die Ebbe weit zurückgegangen. Der Sand war feucht und hier und da lagen Algen herum, oder Quallen die es nicht bis zurück ins Meer geschafft hatten. Die ersten Sterne waren bereits aufgetaucht.
"Glaubst du, wir können hier eine Weile bleiben?", fragte Norah und sah zu mir. Ich erwiderte ihren Blick. "Ich finde es schön hier", fügte sie hinzu.
Ich nickte langsam. "Ich denke, fürs erste ist es gut." Die Dorfbewohner hatten sich bemüht, uns eine Hütte zu finden, und ein paar hatten sogar dabei geholfen, sie ein wenig wohnlicher zu machen. Sie waren hier nett, aber höflich distanziert. Ich merkte auch sehr wohl, dass sie Norah gegenüber sehr viel offener und herzlicher waren als mir gegenüber. Doch ehrlich gesagt gab ich mir auch nicht besonders viel Mühe.
Wir kamen am Wasser an und Norah ging mit den Füßen hinein. Sie zog die Schultern hoch und machte ein halb belustigtes, halb abgeschrecktes Geräusch. "Kalt." Aber sie blieb darin stehen und ließ die sachten Wellen gegen ihre Knöchel plätschern, während ihr Blick hinaus auf den Horizont gerichtet war. Ich blieb still und beobachtete sie. Bevor wir auf diese Insel gekommen waren, war sie noch nie am Meer gewesen. Das hatte sie mir erzählt.
Ich trat an Norahs Seite, sodass das Wasser auch meine Füße umspülte. Sie sah zu mir herab und lächelte. "Es wäre wirklich schön, wenn wir hier bleiben könnten", sagte sie.
Ich nickte leicht, und langsam verblasste ihr Lächeln. Ich wusste woran sie dachte. An das gleiche wie ich wahrscheinlich. An die Gründe, die uns bisher nicht erlaubt hatten, an einem Ort zu verbleiben.
Ich hob eine Hand und legte sie auf Norahs Rücken. Viel weiter hinauf kam ich auch nicht mehr. Sie war so gewachsen. "Hab keine Angst", sagte ich zu ihr. Mehr konnte ich nicht sagen. Ich wusste, dass wir nicht für immer hier bleiben würden. Ich jedenfalls nicht.
Ein Vampir hatte eine ganz andere Vorstellung von Zeit.
Wir schwiegen und sahen hinaus aufs Meer, bis das letzte Licht des Tages hinter dem Horizont verschwunden war.
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Re: *Liennas und Norahs Hütte

Beitragvon Lienna » Di 3. Sep 2019, 18:27

Nachdem es vollkommen dunkel geworden und ich Norah in unserer Hütte zum Schlafen zurückgelassen hatte, zog ich wieder los und schlenderte zwischen den Bäumen entlang zur Straße. Nun, für jemanden der in Städten gewohnt hatte, war das hier kaum mehr als ein Trampelpfad, gerade breit genug um einen Karren oder eine Kutsche zu beherbergen, aber für mich, die noch aus einer Zeit ohne Asphalt stammte, war es Straße genug. Ich folgte ihr, bis ich das Dorf weit genug hinter mir gelassen hatte, dann rief ich meine Flügel und schwang mich hinauf in die kühle Nacht.

Ich blieb auf dieser Seite der Insel und suchte mir meine Mahlzeit im Wald bei den Tieren. Einfach war es nicht, und zudem nur sehr unbefriedigend. Die Jagd auf Menschen war so viel leichter, auch wenn gerade sie durch die Veränderungen auf der Welt schwieriger geworden war. Es verging keine Nacht, in der ich mir keine Gedanken darum machte. Und ich wusste bereits, dass ich mir dabei Hilfe suchen musste. Heute war das Hadern darum auch endlich vorbei, denn ich hatte einen Entschluss gefasst.
Etwa drei Stunden vor Sonnenaufgang kehrte ich zum Dorf zurück, allerdings auf dessen südöstlicher Seite. Mein Ziel war ein Haus das ebenfalls ein wenig abseits stand, wie man mir gesagt hatte. Ich hatte lange überlegt, aber schließlich entschieden, dass es die beste Möglichkeit war, hierher zu kommen.
Das Haus war größer als unsere Hütte, war aber genauso einfach gebaut, wie so viele hier. Die Fensterläden waren geschlossen und es war dunkel. Der Herzschlag darin schlief. Ich setzte mich auf einen moosbewachsenen Stein und wartete.
Der Himmel war bereits heller geworden, und tatsächlich ging meine Rechnung auf und der Herzschlag erwachte nach kurzer Zeit, noch vor Sonnenaufgang. Trotzdem wartete ich noch, bis die Person einige Male im Haus hin und her gegangen war, ehe ich aufstand und an die Tür trat, um zu klopfen. Der Herzschlag hielt inne und kam dann in meine Richtung.
Ein bärtiger Mann mit Kleidung aus Leder und Fellen öffnete mir und senkte den Blick prüfend auf mich. Offensichtlich war er überrascht, mich zu sehen. Dann aber schlich eine Erkenntnis in sein Gesicht.
"Ach, du bist eine von den Neuen, nich'?", fragte er ein wenig misstrauisch.
Ich nickte und er fügte hinzu: "Hab von euch gehört." Ich konnte es mir vorstellen. Im Dorf verbreiteten sich Neuigkeiten scheinbar schnell.
"Mein Name ist Mina", stellte ich mich mit dem Namen vor, den ich hier im Dorf benutzte. "Und Ihr müsst wohl Bendrich sein, nicht wahr?" Ganz automatisch fiel ich wieder einmal zurück in die heutzutage veraltete Höflichkeitsform, die ich mir nie ganz hatte abgewöhnen können. Wenn ich schnell genug daran dachte, vermied ich sie eher, aber in einer solchen Atmosphäre wie hier in Kaua dachte ich nicht immer sofort daran.
"Ja, genau", bestätigte der Bärtige. "Aber ich muss gleich los, hab also nicht viel Zeit."
"Ich will Euch auch nicht lange aufhalten. Ich habe nur eine Bitte. Man sagte mir, Ihr stellt gute Bögen her."
Bendrich grunzte. "Die besten in ganz Kaua." Interessiert sah er zu mir hinab. Er war ziemlich groß, und vor allem in solchen Situationen hasste ich mein kindliches Äußeres. Da half es auch nicht, dass ich einen Schritt von der Tür zurückgetreten war, ich musste trotzdem den Kopf in den Nacken legen, um zu ihm zu sehen.
"Ich brauche einen Bogen, der für meine Größe und Statur geeignet ist. An Kraft und Können fehlt es mir nicht, macht Euch darum also keine Gedanken."
Zwar schien er mit dieser Anfrage gerechnet zu haben, überzeugt wirkte der Mann aber trotzdem nicht. "Und wofür brauch' jemand wie du 'nen Bogen?", wollte er wissen.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. "Aus dem gleichen Grund wie Ihr: um zu jagen natürlich. Auch ich habe meine Bedürfnisse. Was Euch natürlich nichts angeht. Also, was verlangt Ihr für einen Bogen?"
Bendrich überlegte einen Moment lang, dann grunzte er wieder. "Weißte was, ich überleg mir was, ja? Na schön. Was willste für nen Bogen haben?"
Als ich mit ihm über die Art des Bogens und die Qualität der Materialien sprach, merkte er wohl zum ersten Mal wirklich, dass ich sehr wohl Ahnung hatte. Es war interessant. Bei den wenigen Personen, die die Wahrheit über mich kannten, merkte man bei einem Gespräch ganz genau, wann der Punkt gekommen war, an dem sie aufhörten mich wie ein Kind zu sehen und begannen mit mir zu reden wie mit einer Erwachsenen. Dieser Punkt kam nun ebenfalls für Bendrich.
"Ich mach dir deinen Bogen, Miss", versprach er dann und nahm sein eigenes Jagdwerkzeug mit, als er aus dem Haus trat. "Aber jetzt muss ich los. Wird schon bald hell. Komm in einer Woche nochmal vorbei."
Ich nickte und bedankte mich höflich, dann gingen wir getrennte Wege. Ich verzichtete auf meine Schwingen und nahm den Weg zu Fuß durch das Dorf, wo die meisten noch schliefen, um zurück zur Hütte zu kommen. Auch Norah schlief noch, aber als ich vorsichtig eintrat und die Tür hinter mir schloss, räkelte sie sich ein wenig und blinzelte. Sie wachte manchmal kurz auf, wenn ich zurück kam; dann lächelte sie mir, wie jetzt auch, leicht zu, mit diesem verschlafenen Ausdruck im Gesicht, der sie für mich wahrscheinlich für immer wie ein Kind aussehen lassen würde, und murmelte mir flüsternd ein "Guten Morgen" entgegen.
Manchmal kam ich zu ihr, hockte mich an ihr Bett und sprach mit ihr. Vor allem wenn ich sah, dass sie wieder Albträume gehabt hatte. Aber heute nicht. Heute war sie friedlich, und so hob ich nur die Hand zum Gruß, auch wenn sie das wohl schon nicht mehr sah, und schlüpfte durch die Hintertür in mein kleines Zimmerchen. Still wartete ich ab, bis Norahs Herzschlag wieder ruhig ging und sie eingeschlafen war. Erst dann legte auch ich mich zur Ruhe.
Norah würde wohl am späten Vormittag aufstehen, während ich erst zum Abend hin wieder aus meinem leichten Vampirschlaf erwachen würde.

----> Strand
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